Läsefuul
Der freie Stuhl
Als Malik am Montag in die Klasse kommt, kennt er niemanden. Frau Frei zeigt auf einen freien Platz in der zweiten Reihe. Malik setzt sich, packt sein Etui aus und versucht, möglichst unauffällig zu sein.
In der Pause gehen fast alle Kinder nach draussen. Malik bleibt noch einen Moment im Schulzimmer. Er weiss nicht, wo er hingehen soll.
Da steckt Aylin den Kopf durch die Tür. „Kommst du? Wir bauen auf dem Pausenplatz eine Murmelbahn aus Sand.“
Malik zuckt mit den Schultern. „Ich habe keine Murmeln.“
„Wir schon“, sagt Aylin. „Uns fehlt aber jemand, der eine gute Brücke bauen kann.“
Malik geht mit.
Draussen graben Aylin und Jonas bereits eine lange Rinne. Malik nimmt zwei flache Steine und legt einen Ast darüber. Nach ein paar Versuchen rollt die Murmel tatsächlich über die kleine Brücke.
„Die hält!“, ruft Jonas.
Nach der Pause steht im Klassenzimmer plötzlich ein Stuhl neben Maliks Tisch. Aylin hat ihn hergeschoben.
„Für Gruppenarbeit“, sagt sie.
Später braucht niemand den Stuhl. Trotzdem bleibt er dort stehen.
Am Dienstag setzt sich Jonas darauf. Am Mittwoch Aylin. Und am Donnerstag fragt Malik einen anderen neuen Jungen: „Willst du in der Pause mitkommen?“
Manchmal beginnt Freundschaft nicht mit einem grossen Plan. Manchmal reicht ein freier Platz.