Läsefuul

Die Nachricht im Klassenchat

Kategorie: Freundschaft Lesestufe: Stufe 5 Lesezeit: 6 min

Am Mittwochabend schreibt Zoe in den Klassenchat: Morgen Mathetest. Vergesst das Lernen nicht 😅

Eigentlich meint sie es freundlich. Sie selbst hätte den Test beinahe vergessen und ist froh, dass Nino sie am Nachmittag daran erinnert hat.

Eine Minute später antwortet Elia: Danke, Frau Lehrerin.

Dann schickt jemand ein lachendes Emoji. Noch jemand schreibt: Zoe kontrolliert wieder alles.

Zoe starrt auf den Bildschirm. Ihr Gesicht wird heiss. Sie tippt: War ja nur nett gemeint!!! Dann löscht sie den Satz wieder. Danach schreibt sie: Ihr könnt mich mal. Auch das löscht sie.

Schliesslich legt sie das Handy weg.

Am nächsten Morgen fühlt sich der Chat grösser an als sonst. Obwohl im Schulzimmer niemand etwas sagt, denkt Zoe bei jedem Blick, dass die anderen über die Nachricht sprechen.

In der Pause kommt Elia zu ihr. „Bist du sauer?“

„Was meinst du wohl?“

Elia zieht die Schultern hoch. „Mein Spruch war nicht böse gemeint.“

„Hat sich aber so angefühlt.“

Für einen Moment sagen beide nichts.

„Deine Nachricht klang für mich ein bisschen wie eine Ansage“, sagt Elia schliesslich. „Als würdest du denken, wir schaffen das nicht selbst.“

Zoe will sofort widersprechen. Dann erinnert sie sich daran, wie oft ihre Mutter sagt: Geschriebene Sätze haben keinen Tonfall.

„Ich wollte nur erinnern“, sagt sie. „Weil ich es selbst fast vergessen habe.“

„Ach so.“ Elia schaut auf den Boden. „Dann habe ich es falsch verstanden.“

„Und ich deinen Spruch auch.“

Sie gehen zurück zu den anderen. Der Mathetest beginnt zehn Minuten später und ist schwer genug, dass niemand mehr über den Chat nachdenkt.

Am Nachmittag schreibt Zoe wieder eine Nachricht. Diesmal liest sie sie vor dem Abschicken laut:

Falls es jemandem hilft: Frau Kunz hat gesagt, für morgen brauchen wir das Geodreieck.

Kurz darauf antwortet Elia: Danke! Meins wäre sonst zu Hause geblieben.

Zoe schickt ein Daumen-hoch-Emoji.

Sie weiss jetzt, dass ein Chat praktisch ist. Aber er ist kein guter Ort, um herauszufinden, wie jemand etwas gemeint hat. Dafür sind echte Stimmen oft besser.

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