Leseansicht

Was im Teich verschwindet

Kategorie: Wissen Lesestufe: Stufe 5 Lesezeit: 6 min

Eine Schulklasse beobachtet Kaulquappen und entdeckt, dass Verwandlung manchmal wie Verschwinden aussieht.

Im März entdeckt die Klasse 5a im Schulteich eine dunkle Wolke aus winzigen Punkten. Herr Lüscher erklärt, dass es Froschlaich ist.

Von diesem Tag an gehört der Teich zum Unterricht.

Jede Woche gehen zwei Kinder mit einem Beobachtungsblatt hinaus. Sie messen die Wassertemperatur, notieren das Wetter und zeichnen, was sie sehen. Nach einiger Zeit schlüpfen Kaulquappen. Zuerst sehen sie aus wie kleine schwarze Kommas. Später werden sie grösser und bewegen sich schneller.

Nora ist besonders begeistert. Sie gibt einzelnen Kaulquappen Namen, obwohl Herr Lüscher erklärt, dass man sie unmöglich auseinanderhalten kann.

„Die grosse dort ist Kuno“, behauptet sie trotzdem.

Im Mai passiert etwas Seltsames. Es sind weniger Kaulquappen zu sehen.

„Die verschwinden“, sagt Nora besorgt.

Die Klasse sammelt Vermutungen. Vielleicht fressen Vögel einige. Vielleicht verstecken sie sich zwischen den Wasserpflanzen. Vielleicht stimmt etwas mit dem Teich nicht.

Beim nächsten Besuch entdeckt Amir eine Kaulquappe mit zwei winzigen Hinterbeinen.

Eine Woche später finden sie mehrere Tiere mit vier Beinen. Ihre Schwänze sind noch da, aber kürzer.

Herr Lüscher zeigt ihnen Bilder der Entwicklung. Aus den Kaulquappen werden nach und nach kleine Frösche. Dabei verändert sich nicht nur ihr Aussehen. Auch ihre Atmung und ihre Nahrung ändern sich.

„Dann verschwinden sie also wirklich“, sagt Nora.

„Die Kaulquappen schon“, antwortet Amir. „Aber nicht die Tiere.“

Dieser Satz bleibt Nora im Kopf.

Im Juni sitzt ein winziger Frosch am Rand des Teichs. Er ist kaum grösser als Noras Daumennagel. Als sie näherkommt, springt er ins Gras.

„Kuno!“, ruft sie.

Alle lachen, auch Nora. Natürlich kann sie nicht wissen, ob es Kuno ist.

Auf dem letzten Beobachtungsblatt des Schuljahres schreibt sie: Am Anfang dachten wir, im Teich werde es immer leerer. Dabei haben wir nur nach der falschen Form gesucht.

Herr Lüscher liest den Satz und zeichnet einen kleinen Stern daneben.

Nora betrachtet den Teich. Im Wasser sieht sie fast keine Kaulquappen mehr. Dafür raschelt es im Gras.

Plötzlich kommt ihr der Teich nicht leer vor. Nur verändert.